Gleichheitsfahren: 

Man fährt 2x oder 3x auf Zeit eine abgesteckte Strecke ab und die Differenz zwischen den Läufen ist dann dein Ergebnis. Je genauer die zwei Läufe beieinander liegen, desto besser. Klingt eigentlich ganz simpel, und es kann ja nicht so schwer sein, da nur ein paar Sekunden Unterschied zu haben. Ist es auch nicht, aber mit ein paar Sekunden reißt man bei Veranstaltung wie dem „Goisern Classic“ oder dem „Auerberg Klassik“ gar nichts. Die Elite der alteingesessenen Renngemeinde, die auch schon im stattlichen Alter sind, schenken dir keine hundertstel Sekunde. Über ganze Sekunden lachen die Herren nur, es geht tatsächlich um Hundertstel. Kaum vorzustellen, wie es jemand schafft, eine Strecke von über 5 Kilometern Länge, gespickt mit Haarnadelkurven und schnellen Bergpassagen, mit 0,059 Sekunden Unterschied in 2 Läufen zu fahren. Konstante Leistung ist der Schlüssel in jedem Rennformat und es ist auch hier möglich, aber nur wenn man echt gut Motorrad fahren kann. Da zählen wir uns zwar nicht dazu, aber dennoch melden wir uns bei solchen Events an um mitzufahren.

Aber nun zurück zum Anfang: Samstag Nachmittag mach ich mich auf nach Bad Goisern, hinter Salzburg, zum Goisern Classic. Im Gepäck zwei BSA A10, Schlafsack, Zelt und ein paar Klamotten zum Motorrad fahren. Am Ziel angekommen, erwartet mich schon Tobi mit seiner Freundin Pauline, die auf dem Rückweg aus dem Urlaub waren und in Goisern stoppten, damit Tobi bei seinem ersten Bergrennen mit fahren konnte. Für mich war es schon der zweite nach dem Auerberg Classic Rennen 2019. Die Stimmung am Campground, der auf einem Parkplatz nur ein paar Meter weiter vom Zentrum lag, war etwas geknickt. Tobi ist beim Camper aufbauen wohl gleich an einen etwas unhöflichen übergenauen Ordner gekommen, der ihm etwas die Lust an dem Event nahm. Dazu noch ein Eintrag im Internet, das die Einwohner von Goisern wohl alle etwas unfreundlich seien …  ein Wochenende mit Moped- und Autolärm taugt wahrscheinlich nicht jedem

Nach der Einführung in die Geschehnisse haben wir die Bikes abgeladen, mein Zelt aufgebaut und den Magen mit Essen vom mitgebrachten Campingkocher gefüllt. Wir holten danach unsere Startnummern ab und schauten uns in Bad Goisern um. Viele Teilnehmer waren im ganzen Ort verteilt. Dabei kamen wir ständig mit den Einheimischen in Kontakt und die waren alles andere als unfreundlich. Alle sehr offen und nett und jeder hat sich auf einen Tag voller alter, lauter und sehenswerte Fahrzeuge gefreut. Google Rezessionen haben wohl doch nicht immer Recht und nicht jeder Anrainer hat etwas gegen Motorenlärm.

Am Sonntagmorgen ging es dann frühs um 8 mit der Fahrerbesprechung los. Ca. 200 Fahrzeuge mussten danach so koordiniert werden das jeder nach seiner Nummer am Start stand und ein reibungsloser Ablauf stattfinden konnte. Die Strecke geht anfangs durch die Ortschaft durch die man mit 30kmh durchfährt und den ansässigen Familien, die es alle vor ihren Häusern gemütlich gemacht hatten, freudig zu winkt. Vorallem die Kinder hatten da sicher ihre helle Freude bei so viel Altmetall, das da den Berg rauf und runter geknattert ist.

Danach ist bei der Feuerwache dann Stop und der Start für das offizielle Zeitnehmen auf den Berg. Dieser hat einige Haarnadelkurven zu bieten, und als Neuling auf der Strecke auch die ein oder andere Kurve die schneller zu macht als meine beiden Trommelbremsen.

An allen Kurven standen Streckenposten und man fühlte sich jede Sekunde durch deren wachsame Augen sicher aufgehoben. Es konnte nämlich sein, das hinter der nächsten Kurve ein Fahrzeug liegen geblieben oder gestürzt ist. Letzteres ist nicht passiert. Ersteres schon ein paar mal. Das liegt aber auch daran das viele der Motorräder rein historische Rennfahrzeuge ohne Strassenzulassung waren, und so die Testfahrten im Vorfeld bei dem ein oder anderen etwas mau ausgefallen sind. Oben angekommen sammelt man sich auf einem Parkplatz am Berg, und dann heißt es warten. Warten, und schauen, bis der letzte hoch gekommen ist. Man wartet eigentlich ziemlich oft und ziemlich viel. Aber genau dann kommt man ins Gespräch mit Menschen, die im Prinzip dieselbe Leidenschaft für Alteisen in sich tragen. Nur sind fast alle 20 Jahre älter als wir, und haben Motorräder die tip Top durchrestauriert oder echt seltene Stücke waren. Dazwischen dann 2 BSA’s von uns die erstmal jede Linie gebrochen haben. Aber genau das hat es zum Schluss ausgemacht, für Zuschauer und auch das Fahrerfeld. Das nicht alles gleich sein muss und jeder willkommen ist bei dem Event. Ob strassenzugelassene alltagstaugliche Yamaha SR500 oder eine Moto Guzzi Dondolino mit offenen Ventilen und einem Auspuff bei dem jedes dB Messgerät seinen Dienst freiwillig quittiert hätte.

Am Ende hat Tobi zwei Läufe mit einer Differenz von 7,97 sec abgeliefert und den 15. Platz gemacht. Bei mir kam eine Differenz von 1,72 sec und Platz 2 raus. Aber das war eher Glück weil ich im zweiten Lauf durch einen langsamen Teilnehmer mit technischen Problemen etwas ausgebremst wurde. Wir fuhren in der Klasse Bj.1951-1960 mit und sind eigentlich ziemlich zufrieden. Es geht auch in erster Linie um den Spaß und das man auf einer abgesperrten Straße mal ein bisschen Rennsport Atmosphäre erleben kann.

In diesem Sinne, wir freuen uns schon auf die nächsten Events in dieser Richtung und hoffen das sich mehr jüngere Leute auch trauen bei solchen Veranstaltungen aktiv mit zufahren oder zumindest passiv-aktiv vor Ort Benzingeruch zu schnuppern. 

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